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EU-Umsatzsteuerreform: Das ändert sich bezüglich der Lieferschwelle ab 01.07.2021

Das Digitalpaket der EU wurde bereits 2017 beschlossen. Zum 01.07.2021 tritt es nun in Kraft. Die neue Lieferschwelle bringt einige Änderungen mit sich, die Online Händler und Privatkunden in der EU unbedingt kennen sollten. Erfahren Sie hier, welche Konsequenzen die Neuerungen haben und wer davon betroffen ist.

Die aktuellen Regeln

Wird bei einem grenzüberschreitenden Handel die Lieferschwelle im Zielland nicht überschritten, muss ein Online Händler aktuell die Umsatzsteuer in dem Land begleichen, in dem die Waren gelagert und zum Versand bereitgestellt werden. Das besagt die Versandhandelsregelung gemäß § 3 c Abs. 3 UStG. Wird diese Schwelle hingegen überschritten, muss sich der Händler in dem Land steuerlich registrieren, in das er seine Waren verkauft. Da derzeit jedes Land seine Schwelle selbst bestimmen kann, gibt es derzeit unterschiedliche Grenzwerte in der EU. Während es in Deutschland 10.000 Euro sind, liegt der Wert in Österreich beispielsweise bei 35.000 Euro und in Luxemburg sogar bei 100.000 Euro.

Die neuen Regeln zum 01.07.2021

Ab dem 01.07.2021 wird es für ganz Europa eine einheitliche Lieferschwelle geben. Dadurch besitzt nicht jedes Land dieselbe Schwelle, es gibt jedoch eine gemeinsame Grenze. Ist diese Netto-Umsatzlieferschwelle erreicht oder überschritten, müssen sich Händler künftig in allen Ländern registrieren, in die sie ihre Waren verschicken. Das bedeutet, dass die Umsatzsteuer mit der Lieferschwelle ab 01.07.2021 in dem Land erhoben wird, in das die Ware versendet wird, anstatt in dem Land, aus dem die Ware kommt.

Anstatt der sogenannten Versandhandelsregelung gilt ab Juli die neue Fernverkaufsregelung mit einer Netto-Umsatzlieferschwelle von 10.000 Euro. Wird diese nicht erreicht, muss die Steuer im Inland abgeführt werden. Mit Überschreiten der Schwelle ist die Steuer im Land des Kunden abzuführen. Der dazugehörige neue Paragraf trägt den Titel 18 j-k UStG.

Was steckt hinter der Reform?

Die E-Commerce-Branche ist in den letzten Jahren so rapide gewachsen, dass selbst Experten überrascht sind. Mit dem neuen Steuerpaket soll künftig Mehrwertsteuerbetrug vorgebeugt werden. Gleichzeitig sollen Verfahren einfacher und fehlende Regelungen eingeführt werden, um die Gesetzeslage dem sich rasant verändernden E-Commerce-Markt anzupassen.

Durch die Besteuerung im Zielland bei grenzüberschreitenden Lieferungen an Privatkunden entfällt künftig die Steuerbefreiung von Kleinbetragssendungen. Bisher wurden Warensendungen mit einem Wert unter 22 Euro nicht besteuert. Das ändert sich mit der neuen Reform, um einem Wettbewerbsnachteil für EU-Unternehmen entgegenzuwirken.

Wer ist von der Lieferschwelle zum 01.07.2021 betroffen?

Von der neuen Online Handel Änderung sind alle Online Händler betroffen, die Waren oder Dienstleistungen an Kunden im EU-Ausland verkaufen. Der Händler kann sich dabei auch außerhalb der EU befinden. Sobald er an Privatpersonen in der EU liefert, greift die neue Regulierung. Ob der Händler Kleinunternehmer oder umsatzsteuerpflichtig ist, spielt dabei keine Rolle. Auch der Vertriebskanal ist bezüglich der Lieferschwelle irrelevant.

Was ist das One-Stop-Shop-Verfahren?

Das One-Stop-Shop-Verfahren soll Händlern die Abgabe der Steuern erleichtern. Anstatt sich in jedem Zielland einzeln registrieren zu müssen, können sie durch dieses Verfahren ihre Steuererklärung über das Bundeszentralamt für Steuern (BZSt) einreichen. Dieses gibt die Informationen an die Zielländer in der EU weiter. Mit nur einer zentralen Registrierung werden so alle Umsätze in einer speziellen Steuererklärung deklariert.

Händler in der E-Commerce-Branche müssen durch den One-Stop-Shop keine Fiskalvertreter in den Ländern beauftragen, in die sie die Ware versenden. Das spart Zeit und Geld. Teilnehmen kann jeder Online Anbieter, der Fernverkäufe an Nicht-Unternehmer in der EU tätigt. Um sich für den One-Stop-Shop zu registrieren, benötigt man eine Umsatzsteuer-Identifikationsnummer.

Praktisch ist auch, dass Händler, die am OSS-Verfahren teilnehmen, für ihre grenzüberschreitenden Fernverkäufe künftig keine Rechnungen mehr ausstellen müssen. Die Meldung erfolgt pro Quartal, also zum 31. Januar, 30. April, 31. Juli und 31. Oktober. 30 Tage nach Ablauf des Meldezeitraums ist Zahlungsfrist. So wie die Registrierung über nur eine zentrale Stelle läuft, wird auch die Umsatzsteuer nur an einer Stelle entrichtet. Händler überweisen den geforderten Betrag an das Bundeszentralamt für Steuern oder ein Konto der Bundeskasse.

Die Nutzung des OSS-Verfahrens, das mit der Lieferschwelle 2021 in Kraft tritt, ist freiwillig. Wer das Angebot nicht in Anspruch nimmt, muss sich um die Abgabe der Umsatzsteuern in den Zielländern selbst kümmern. Der Verwaltungsaufwand ist durch das OSS-Verfahren deutlich geringer, sodass sich die Teilnahme in der Regel lohnt. Händler sollten jedoch bedenken, dass sie durch die Registrierung für das OSS-Verfahren die Umsatzsteuer nicht mehr durch eine Umsatzsteuervoranmeldung geltend machen können.


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